Ich war dieser Mann.
Nach außen wirkte alles stabil. Beruflich auf Kurs, gut ausgebildet, einer der funktioniert. Innen drin war ich jemand, der seit Jahren nur Halbwahrheiten erzählt hat, und das nicht aus Bosheit, sondern weil ich früh gelernt hatte, dass vollständige Ehrlichkeit meistens bestraft wird.
Irgendwann bin ich um vier Uhr morgens aufgewacht, hellwach, und der Gedanke war schon da, bevor ich die Augen aufmachen konnte: So kann das nicht weitergehen. Es war keine große Krise. Eher das leise Wissen, dass ich ein Leben führe, das sich nicht ganz wie meines anfühlt.
Verändert hat sich dann vieles. Therapie, Männerarbeit im Kreis, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Aber der eigentliche Wendepunkt war eine einzige Erkenntnis: dass ich selbst das größte Hindernis bin, solange ich nicht hinschaue, und gleichzeitig der Einzige, der etwas ändern kann.